schöner HERCULES Werbefilm von 1977 Produziert von Herrn Gabrisch vom BR3 Sport

https://www.youtube.com/watch?time_continue=8&v=zsdXieIOdZ8

 

Geländesport früher und heute

Wie alles begann.

Eigentlich wollte ich ja gar nicht Dreckschmeisser werden, denn Strassen und Bergrennen waren eher dass was mir gefiel, viel sauberer ohne Schlamm, Dreck und Spurrillen. Aber erstens kommt es doch immer wieder anders als man denkt und wenn der Erfolg da ist machts auch Plötzlich mehr Spass. Ich fuhr seit 1970 viele  Berg und Rundstrecken Rennen mit meiner alten YAMAHA YDS3 250ccm und einer 50er Kreidler relativ Erfolgreich und mit wenigen finanziellen Mitteln. Aber davon mehr im Strassenblock.

Zum Geländesport bin eigentlich mehr durch Zufall gekommen. 1970 konnte mein Freund K.H.Kittler in Dachsbach wegen einem Schlüsselbeinbruch nicht starten und somit wurde ich einfach als Ersatzfahrer eingesetzt.

Ich hatte damals auch keine anständige Geländebekleidung aber irgendwie haben mich Kittler und Freunde halbwegs mit Stiefeln usw. ausgestattet. Vom Geländesport und Reglement hatte ich Null Ahnung aber man würde mich schon einweisen, ich soll mal nicht so ängstlich sein und einfach so schnell wie Möglich den Pfeilen nachfahren. Hab ich auch getan und in Dachsbach jedes Schlammloch in Höhe,Breite und Tiefe vermessen. Weiter hat man mir mitgeteilt dass,wenn im Wald ein weißes Schild mit einem großen A drauf auftaucht, ich besonders schnell fahren sollte weil das ist dann die Sonderprüfung??? Und beim großen E könnte ich dann wieder normal schnell fahren. Gottseidank waren die Zeiten damals ziemlich knapp das Gelände wegen Spurillen und Schlammlöchern auch ziemlich schwer, sodass ich wenig Zeit  zum Nachdenken über den Sinn und Zweck des Geländesports bekam. Ausserdem verlangte die Maico mit 125er Löwer Sachs Motor auch ständiger mechanischer Nachrüstung wegen lockerer Speichen und abgerissener Ritzelschrauben. Kurz und nicht Gut, ich war in der letzten Runde kurz vor dem Ziel so fertig dass ich wegen Muskelkrämpfen nicht mehr weiterfahren konnte.Meine linke Hand wollte die gezogene Kupplung nicht mehr loslassen und die Rechte Hand  die Bremse, so Stand ich 3km vor dem Ziel im Wald und nix ging mehr weiter. Erst mit Hilfe meines Clubkameraden Hans Lippl welcher meine Hände vom Lenker löste und mittels Massage wieder gängig machte, konnte ich die paar km bis ins Ziel schaffen. Ich hab damals geschworen nie,nie, nie werde ich jemals wieder Gelände fahren.

Dumm war nur dass ich damals auch gleich als Neuling die Klasse gewonnen hatte und meine Clubfreunde mich Permanent zum Dreckschmeissen überreden wollten. Hab mich dann auch noch 4 Jahre lang dagegen gewehrt aber weil der Int. Strassenrennsport meine Finanz. Mittel deutlich überstieg bin ich letztlich dann doch noch bei den Stoppelhopsern gelandet.

FIM + OMK Orden

Meine 100er Werks HERCULES mit Wieditz Motor ist wieder aufgetaucht!!!!

Sie gehört mir zwar nicht aber ich ich durfte sie in Isny 2013 schon mal einfahren
Mit der 100er bin ich 1977 die Europameisterschaft und die DM gefahren unter anderem meine erste Valli Bergasche in Bergamo. Das war die Härte damals, Wannsinnig viele Zuschauer auf der Strecke und in den Sonderprüfungen. Oskar Italia mitten drin, hat uns mittels Playmate Poster immer versucht aus der Spur zu locken.  Und so knappe Zeiten dass ich die am ersten Tag nicht geschafft hatte obwohl wir ( Heino Büse, Wagner Hans und Ich ) 2 Tage lang die Etappe trainiert hatten. Erst nachdem wir uns am 2.Tag Italienische Hemden und Helme angezogen hatten konnte ich die knappe Zeit schaffen, weil uns die Tifosi als Ihresgleichen erkannten, konnten wir auch die Abschneider finden und fahren. Trotzdem war die Veranstaltung für mich als Neuer fast eine Nr. zu groß. Ich wollte schon nach dem ersten Tag meinen Werksvertrag zurückgeben weil ich dachte das ich den Anforderungen nicht gewachsen bin. Aber unser TEAMCHEF Herrmann Popp meinte nur in seiner trockenen Schweinfurter Art " Ne ne Herr Teuchert des ist schon o.K. Sie sind ja noch in Wertung und nicht mal letzter" Klar von 485 Startern am Samstag Morgen waren tatsächlich nur noch 85 in Wertung, der Rest meist wegen Zeitüberschreitung adW. Von den Auf und Abfahrten träum ich heute noch. Aber das hatte auch was Gutes, denn seither hatte ich keinen Bammel mehr vor knappen Zeiten denn ich wusste ab sofort, wenn ich  regulär die Fahrzeiten nicht schaffe, dann die anderen auch nicht.
War eine schöne Zeit damals im SACHS Werksteam. Mit Heino Büse, Hans Wagner, Lorenz Kirchenbauer und den Italienern Bettoni, Foresti, Gualdi, Taijochi und Marinoni.
An dem Wochenende wurden uns aus dem Betreuer LKW an der Sonderprüfung bei Clusone innerhalb einer halben Std. alle Titan Schrauben und einige Motoren durch die aufgebrochene Dachlucke gestohlen. ( Wert damals glaube ich so um die 70000.-DM).
Die MZ WERKS Fahrer hats noch schlimmer erwischt denen sind aus dem Betreuer PKW alle Ausweise und Devisen geklaut worden. Das war dann nicht ganz so schön. Mir haben sie im Fahrerlager beim Maserini vor meinen Augen nur den heißen Grill geklaut. Ich war so Perplex dass ich den Dieb nicht mal verfolgen konnte. 1 Minute später fuhr der Schlingel auch noch mit seinem 500er Fiat Cabrio und mit meinem rauchenden Grill ganz frech an mir vorbei.

 

 

  • Vali Bergamasche 1977

ZÜNDAPP ist Schuld das die  HERCULES GS 80 entstand.

Nachdem HERCULS/SACHS  Ende 1978  beschlossen hatte ihre Geländesport Abteilung wieder aufzulösen habe ich 1979 für 2 Jahre zum ZÜNDAPP Werksteam gewechselt um zusammen mit Erwin Schmider die EM und DM sowie Sixdays zu fahren. Ich war damals  inoffiziell als Wasserträger bei der EM für Erwin eingeteilt. In der DM fuhr er zwar ab und zu noch mit, aber den DM Titel durfte ich gewinnen wenn ich dem Erwin beim Gewinn seines letzten EM Titels helfen würde. Hat aber beim Erwin leider nur zum 3. Platz gereicht weil er in Spanien mit Motorschaden an seiner 50er ausgefallen war. Ich hätte Ihm damals eigentlich meinen Motor auf der Strecke abgeben müssen ( Austausch der Mopeds wäre nat. schneller gegangen) aber der Erwin hat dankend meine Hilfe abgelehnt mit den Worten" fahr ruhig weiter meine Zeit ist eh bald um du  bist noch Jung und brauchst den Erfolg und wenn die Münchner mir kein Zuverläßigeres Moped hinstellen können sind sie selber Schuld." Auf meine Frage „ und was soll ich dem Erich sagen was los ist?“ meinte er nur „sagschd hald du hoschd mi it gsea und guad is“. Werd ich ihm nie vergessen. Er war halt immer ein sehr fairer Sportler.

1980 war ich dann in der DM und EM zusammen mit Eddy Hau mit der 100er Zündapp unterwegs. Ein Traum von einem Moped bis auf das Getriebe, Schaltwege so lang wie 5Meter Feldweg. Es gab zwar offiziell keine Stallregie aber hinter den Kulissen war klar dass Eddy die NR.1 war und ich wurde zwangsläufig zu seinem Wasserträger gemacht. Stinkt mir heute noch und würde ich auch nie nie mehr machen.  Mit der Sechstage Fahrt in Briuode 1980  dem Klassensieg und dem Silbervasen Gewinn war dann auch meine Zündapp Episode beendet. Wegen einiger Meinungsverschiedenheiten mit Manager Messner hab ich mich entschlossen für 1981 etwas anderes zu suchen. Allein schon deshalb, um nicht wieder als Wasserträger verbrannt zu werden. Die neue 80er Klasse ( Ersatz für die 50er und 100er) wurde durch die Int. Klassenreduzierung erst 1981 ins Leben gerufen. Es gab aber zu dieser Zeit noch von keinem Hersteller irgendein  Fahrbereites 80er Wettbewerbs Modell. Ausser von ZÜNDAPP da hörte man dass die in den neuen 125er Zentral Stoßdämpfer Rahmen von Ladi Gorgos einen 80er Motor einbauen wollen. Als Fahrer war da schon fix mein ewiger Kongurrent Jürgen Grisse eingeplant.

Ich hab halb Europa abgesucht nach einer Firma welche mich mit einer 80er unterstützen könnte. Von Kreidler Van Veen bis Puch und KTM hab ich alles abgegrast, leider vergeblich.

Zu Zündapp wollte ich auf gar keinen Fall mehr ich hatte da noch ein paar Rechnungen offen.

Die Zeit für einen weiteren Profi Geländeeinsatz wurde immer knapper, da kam mir der Gedanke es doch nochmal mit HERCULES /SACHS zu probieren. Die hatten zwar für 1981 schon ein paar Serien 80er entwickelt aber halt kein Gelände Wettbewerbs Modell. Eine sog. Sportabteilung gabs auch nicht mehr. Von der alten Sportabteilung existierte nur noch der Günter Dotterweich, Peter Muschweg als genialen Schweißer  und Heinz Blendinger also die Besten Voraussetzungen für einen Werksmäßigen Einsatz meinerseits. Gottsei Dank hatte ich zu Dipl. Ing.  Herbert Pöppinghaus noch ein sehr gutes Verhältnis. Ich hab Ihn Ende Oktober 1980 um einen Gesprächstermin gebeten um über Gott und die Sport Welt im allgemeinen zu Reden. Ich hab dem damaligen Motoren Chef  in Schweinfurt in einem fast 5 Stündigem Bewerbungs Gespräch erst beibringen müssen dass es unwahrscheinlich wichtig ist diese 80er Sachs  für mich zu bauen, damit wir den Titel vor Zündapp holen können. Hat ja dann auch 3mal hintereinander  geklappt

Ich hab mir nat. nicht im entferntesten ausmalen können was dieses Gespräch Im SACHS/ HERCULES Konzern für eine Lawine auslöste.

Günter Dotterweich hatte da zwar in Eigenriegie schon mal  eine Rahmenzeichnung im Schreibtisch liegen, mehr aber nicht. Dass die Schweinfurter dafür den Michael Schaffleitner Engagieren würden um in den kleinen SACHS Motor ein 6 Gang Klauen Getriebe zu bauen

( ein wares Kunstwerk) war ein Hammer.  Kurz und Gut, in Nürnberg wurde in den Räumen der alten Sportabteilung Flugs der erste Cromo Rahmen von Peter Muschweg und Heinz Blendinger zusammen geschweißt. In Schweinfurt wurde mit Schaffleitner, Appelbaum und Schiffer der Motor aufgebaut. Und wenn ich mich richtig erinnere sind wir Anfang März 1981 bereits zur ersten Testfahrt ausgerückt. Ich war begeistert, ein Moped extra für mich einfach der Wahnsinn.

ZÜNDAPP konnte einpacken!!!

Als dann Günter Dotterweich auch  noch den Erwin Schmider mit ins HERCULES SACHS Boot geholt hat, war ich Im ersten Moment zwar etwas angefressen wegen der Verpflichtung, denn ich wollte nicht schon wieder Wasserträger sein, schliesslich hab ja ich alles angeleiert. Da ich aber den Erwin aus der Zeit mit Zündapp als absoluten fairen Sportler kennengelernt habe, hat mich das dann richtig gefreut noch eine Saison zusammen mit meinem 10 Jahre älteren Freund in einer Klasse fahren zu dürfen. Es gab auch keine versteckten Abmachungen wer nun die Nr.1 oder 2 war, das haben wir beide ohne Manager bei einem Kaffe mit Kuchen von Anita unter Sportlern ausgemacht. Erwin hat von sich aus den Vorschlag gemacht " Arnulf das machen wir ganz einfach, wer nach drei Rennen die Nase vorn hat ist die Nr. 1 und automatisch hilft dann der Verlierer seinem Kollegen " Und genauso haben es wir auch durchgezogen, Erwin kam nach der 3. Veranstaltung zu mir und hat mir unter 4 Augen gesagt o. K. du warst 3mal schneller jetzt helf ich dir den Titel zu gewinnen. Und er hats gemacht!!! Bin ich heute noch wahnsinnig stolz drauf, denn das hat er für keinen anderen Fahrer der Welt gemacht. Somit bin ich auch der einizige Fahrer der den Weltbesten Geländesportler als Wasserträger hatte. Wir waren damals ein fast unschlagbares kleines Werksunterstütztes TEAM. Fahrer Erwin und ich, Fred Marschall war unser techn. Betreuer und Streckenfahrer vor Ort. Anita war Betreuer und gute Seele im Wohnmobil und an der Zeituhr. und hat für die richtige Verpflegung vor und nach der Fahrt gesorgt. Günter Dotterweich als TEAM Chef hat das Ding gezeichnet und in Nürnberg wurde der Rahmen und Auspuff dazu gebaut. Die  10 Motoren sind in Schweinfurt von Michael Schaffleitner und Appelbaum/ Schindler gebaut worden. In Zusammenarbeit mit Bing haben wir einen sog. Powerjet Vergaser mit Vollgasanreicherung gebaut ( Da konnte ich in knapp 1 Minute die Einstellung ändern ohne den Vergaserdeckel aufzumachen) Johann Weidl hat mir meine HYDROCROSS Dämpfer nach Wunsch abgestimmt, die gehen heute noch genauso gut trotz Gewichtszunahme. Einfach eine unglaubliche Geschichte. Wir haben als kleines 5 Mann TEAM dreimal die große Konkurrenz ZÜNDAPP und KTM  geschlagen sind 1981 auf Elba Mannschaftsvizeweltmeister geworden und waren 3 mal 3. in der EM. Ich bin bis heute mit dem Moped über 120 Veranstaltungen gefahren ohne einem einzigen technischen Ausfall. Wir haben über 66 Klassensiege und unzählige Top 3 Platzierungen  erreicht und die Gute freut sich heute immer noch auf jeden Meter im Gelände. Seit 2006, nach über 23 Jahren Ruhezeit im Keller bin ich mit meiner „Guten“ nun wieder bei den Klassik Fahrten unterwegs und was soll ich sagen? Wir freuen uns über jeden km im Gelände. Für das  High Lite 2015, dem SIX DAYS Revival auf Elba  wurde Sie nochmal hübsch gemacht und neben den vielen Top Restaurierten Mopeds von Gritti, Muraglia,Brissoni und Brinkmann KTM war sie sicher eines der schönsten Mopeden der Veranstaltung. Ich war übrigens auch der einzige Fahrer welcher mit seinem Original Motorrad von 1981 am Start war. Noch eine kleine Randgeschichte, gehört zum Abschluß dazu. Als ich beim Endlauf 1981 in Mauer Punktgleich mit Grisse zum Finale antrat, hat mir unser TEAM Chef G. Dotterweich am Samstag nach der techn. Abnahme erklärt dass es ungeheuer wichtig ist dass ich Morgen alles aus mir rausholen müsste um den Titel zu gewinnen. Auf meine Frage, warum das ausgerechnet  heute so wichtig wäre  mir das zu sagen? Schließlich weiß ich das ja selber, ich wollte doch auch unbedingt gewinnen. Tja da meinte der gute Günther nur“ Wenn wir Morgen den Titel nicht gewinnen sind die Kosten von  750000.- DM 250000.- DM allein fürs Schaffleitner Getriebe in den Sand gesetzt und unsre kleine Werks Sportabteilung ist am Montag wieder Arbeitslos“ Na Danke ich war ab da ziemlich fertig mit der Welt, hab dann alles was in mir drin war einschließlich den Kuchen von Anita nochmal durch den Kopf gehen lassen. Ich glaub ich hab eine ½ Std. vor dem Start nochmal gekotzt vor Aufregung. Es kann also Keiner sagen ich hätte nicht alles aus mir rausgeholt. Nun gut es hat Letztendlich geklappt, wir haben den ersten 80er Titel  gewonnen.

Erich Messner hatte 45er Halsschlagadern, das allein schon war der Einsatz Wert.

Und wie das in Mauer funktioniert hat  wird nochmal eine extra Geschichte.

Arnulf

 

Pöppinghaus Glückwunschschreiben 19810001

 Die Geschichte mit dem Eimer vom Erwin?

Nach dem Rücktritt vom SACHS Werksgeländesport  1978 bin ich 79 bei Zündapp gelandet und weil ich der kleinste aber nicht jüngste war, hat mich  der Erich Messner  zu meinem großen Vorbild Erwin Schmider in die 50er Klasse beordert. Erwin war für mich damals immer noch eine Fahrerpersönlichkeit zu der man nur aufschauen konnte. Deshalb hab ich mich auch gar nicht dagegen gewehrt für Ihn den sog. Wasserträger zu spielen, zumal es ja nach Aussage Messner eh sein letztes Geländejahr sein sollte deshalb wollte man ihm halt noch einen EM Titel in der 50er Klasse gönnen.  Ich musste demnach alles tun  Erwin nach hinten gegen die Italiener abzuschirmen. Was eigentlich ein Quatsch war denn Erwin war mit seinen damals gerademal 42 Lenzen uns allen noch mehr als  ebenbürtig wenn nicht gar überlegen nur die kleinen Italiener mit den Fantics wurden immer besser. Unsere Ziehkeil Zündapp war da schon nicht mehr ganz auf  dem Stand der Technik. Leistung war schon gut da aber der Vergaser und keine Wasserkühlung und das Ziehkeilgetriebe???

Um damit wieder auf den Eimer zurück zu kommen muss ich etwas weiter ausholen, wems zu lang wird der kann ja weiterklicken.

Ich tat jedenfalls mein Bestes um dem Erwin seinen verdienten EM Titel zu verschaffen, ich machte Vergasereinstellungen, testete alle möglichen Fahrwerkseinstellungen und fuhr eigentlich immer anständig hinter dem Erwin her, transportierte Ersatzteile,  um Ihm bei techn. Gebrechen seiner Zündapp helfen zu können. Leider hatte der Erwin beim spanischen EM Lauf Pech mit seiner 50er, eine abgebrochene Schiebernadel hatte seinen Kolben zerstört. Eigentlich hätte ich damals dem Erwin mein Moped abgeben müssen Nummernschildwechsel wäre bei unserer Zündapp-Erfahrung auch schnell gegangen. Aber so ist er halt der Erwin, er meinte nur „ Arnulf fahr ruhig weiter, wenn mir de Münchner so a Glumperts Zeigl gääbe dann brauche se au koin EM Titel mehr. Du bisch no Jung ( o.K. ich war grad mal 10 Jahre Jünger) du braugschd die Punkte mehr wie i, sagschd halt dem Messner du hosch mi it gseea“ Und was sollte ich da machen? Befehl ist Befehl  ich fuhr halt weiter. Nächster EM Lauf war wenn ich mich richtig erinnere in Brioude Frankreich. Da wars ziemlich heiß so um die 35Grad, unseren 50er Luftgekühlten wurde es ganz schön heiß ums Herz und damit ging auch die Leistung zurück. Wir sind damals kurz vor der Sonderprüfung durch einen kleinen Bach gefahren und ich kam auf die Idee meinen Motor mit dem Wasser abzukühlen damit er in der Sonderprüfung wieder etwas besser zog. Mittels einer Plastiktüte holte ich Wasser aus dem Bach und kühlte damit meine kleine Zündapp schön runter. Erwin stand daneben und meint nur „ moinschd des hebbd  der Motor“ Ich sagte nur „wirst schon sehen ich bin jetzt mind. 6 Sekunden  schneller als du“.

Gesagt getan, ich war wirklich ca. 6 sek. Schneller als Erwin nach der Prüfung. Als ich dann in der 3. Runde bei unserem Betreuer Schmidi in die ZK kam, fragte der mich „ Arnulf,  haste schon gesehen was der Erwin da gebaut hat?“ Wie was gebaut, ich hab doch gar nichts gesehen bei Ihm. Da hat der Erwin doch hinter meinem Rücken mit Hilfe von Pinze und Schmidi mit einer großen Wasserflasche und einem Benzinschlauch eine Wasserkühlung an seine 50 er gebaut. Die Wasserflasche steckte oben hinter der Lampenmaske und der Benzinschlauch war schön vor dem Zylinder platziert, so kühlte er seinen Motor während Sonderprüfung runter bis die Flasche leer war. Gebracht hat das zwar nicht viel, aber die psychologische Wirkung war eine ungeheure. Beim nächsten Lauf  in  Weitra, Österreich mussten dann härtere Geschütze aufgefahren werden. Denn dass der kalte Motor besser ging hat dem Erwin schon gefallen. Also wurde ausgemacht dass fortan vor jeder Sonderprüfung jeweils ein großer Eimer Wasser für Erwins und  meine Zündapp kurz vor der Prüfung versteckt deponiert werden sollte, damit wir unsere Motoren schön kühlen konnten.

Dumm war nur, dass die Zündappmannschaft nur zwei ungleich große Eimer dabei hatten, einen mit 15 Liter und einen mit 10 Liter Inhalt. Dumm war  natürlich auch dass Sie uns das vor dem Start gesagt hatten. Erwin wusste genauso wie ich dass 15 Liter mehr kühlen als 10L, also ist doch klar wer die 15 Liter hat, ist kühler also schneller, logisch oder?

Nur noch zum besseren Verständnis der Situation, Erwin und ich fuhren in der gleichen Startminute, also immer schön zusammen. Die Etappen  in  Weitra waren mittelschweres Gelände, die Zeiten locker zu fahren. Es war eigentlich keine übermäßige Eile geboten. Erwin genoss damals unter allen Nationen einen sehr guten Strecken-Zeiteinteilungs-Ruf, was bedeutete wenn Erwin normal fuhr war keine Eile geboten, die Zeiten also locker zu schaffen. Machte er Gas sollte man tunlichst dran bleiben, denn da könnte es eng werden. An der Zeitkontrolle vor der Sonderprüfung waren Erwin und ich jedoch sehr nervös an der Stempeluhr, weil wir nämlich möglichst schnell weg wollten um an die Wassereimer zu kommen, denn wie gesagt wer zuerst kommt kriegt  den großen Eimer. Das, was wir anschließend  in der Etappe aufgeführt haben, war jenseits von Gut und Böse, ich hab alles gegeben um als erster an dem großen Eimer anzukommen, Erwin ebenfalls. Die Italiener hinter uns wussten natürlich. nicht was los war und versuchten alles um an uns dran zu bleiben, wahrscheinlich meinten die dass da irgendwas in der Strecke versteckt war, weil wir so angasten. Was soll ich sagen, ich hab den Erwin erst in der letzten Abfahrt geknackt und war als erster am großen Trog. Wer Erwin kennt der weiß was jetzt kam.

„ Die Huresäckl von Zündapp habe net amol zwoi gleiche Oimer etz hab i den Salat de Motore sin hois un i hab grad amol 10 Liter Wasser zom kühle, da brauchi doch gar it mehr fahre.... usw. „ Ich hab dem Erwin nat. 2.5 Liter von meinem Eimer abgegeben das hat Ihn aber nicht wesentlich beruhigt  er hat weiter geschimpft. In der Sonderprüfung waren wir nat. schneller wie die Italiener, denn wir hatten schon gut trainiert. In der nächsten Runde gleiches Spiel, Erwin und ich versuchten wieder alles zuerst am Trog zu sein nur mit dem Unterschied, diesmal war er schneller, aber leider waren hinter dem Holzstoss keine Wassereimer zu finden.

Die Schimpfkanonade vom Erwin kann ich leider hier nicht wiedergeben, er hatte jedenfalls 218 Puls. Während Erwin tobte, suchte ich an den anderen Holzstössen nach unseren Eimern, und siehe da hinter dem 3. Stoß standen sie ja, unsere Zündapp-  Eimer, ja nun hatte ich wieder den 15er zu kühlen und Erwins Gesichtsfarbe ging in Richtung dunkelrot. Wir haben das Wasser natürlich ehrlich geteilt und Erwin hat sich nach der Sonderprüfung auch wieder beruhigt, schließlich gabs im CaféTeuchert auch immer den besten Kaffee mit Anitas Kuchen. Erwin ist bei seiner letzten EM bedingt durch den Ausfall in Spanien leider doch nicht mehr Europameister geworden aber ein 2. Platz ist ja auch nicht so schlecht oder?

So und das war Sie nun die  Story vom Erwin und sein Eimerle.

Schreiben ist doch etwas schwieriger als das erzählen mit einer Hopfenkaltschale in der Rechten.

Arnulf

 

Italienische Momente -

3 Tage ELBA Six Day`s Revival vom 16. – 18. Oktober 2015 in Portoferraio

 

“Der Veranstalter lässt uns hier sechs Tage lang im leichten Gelände herumfahren, wohlwissend dass seine Landsleute seit Wochen auf den Sonderprüfungsstrecken unterwegs sind!“ So etwa lautete das sichtlich verärgerte Fazit des deutschen Trophyfahrers Heino Büse am Ende der 56. Internationalen Sechstagefahrt auf der Insel Elba, im Oktober 1981. Das deutsche Trophyteam mit Arnulf Teuchert (Hercules), Jürgen Grisse (Zündapp), Klaus-Bernd Kreutz (Zündapp), Bert v. Zitzewitz (Maico), Heino Büse (Maico) und Hans-Werner Pohl (Honda) landete doch mit deutlichem Abstand hinter den mit Heimvorteil ausgestatteten Italienern auf Rang 2, ebenso wie unsere Silbervasenmannschaft in der Besetzung Bernhard Brinkmann, Harald Strößenreuther und Richard Spitznagel. Aber eigentlich hatten unsere deutschen Mannschaftsbetreuer damals bereits bei der Anreise eine dunkle Vorahnung. Natürlich würden die überaus findigen Italiener versuchen, ihren Heimvorteil möglichst geschickt auszunutzen. Den auf die richtig schwierigen Geländestrecken spezialisierten Fahrern aus der Bundesrepublik , der DDR oder der Tschechoslowakei, setzten die Veranstalter ganz gezielt ultraleichte Geländeetappen vor und warteten im Gegenzug mit knüppelharten und superschnellen Crosspisten auf dem Monte Tambone als Sonderprüfungen auf. Und um auch wirklich nichts dem Zufall zu überlassen, hatte man genau diese Sixdays-Areale etwa 4 Wochen vorher dazu genutzt, um dort einen Lauf zur italienischen Geländemeisterschaft durchzuführen. Und so verwunderte es am Ende nicht, dass die Italiener bei ihrem Heimspiel alle wichtigen Wertungen der Veranstaltung gewinnen konnten und mit Allesandro Gritti auch noch den Punktbesten aller Fahrer stellten.

Unser damaliger Trophy-Mann Arnulf Teuchert sieht das heute mit dem zeitlichen Abstand und einer gewissen Altersgelassenheit natürlich viel lockerer, als es damals sein Teamgefährte Heino Büse formulierte: „Das was die Italiener damals gemacht haben, war schon richtig „tricky“! Sie haben den Heimvorteil ganz clever ausgenutzt. Aber alles in allem war es legal und sie haben am Ende auch verdient gewonnen!“

Als im Frühjahr 2015 in der deutschen Enduro-Klassik-Szene die ersten Hinweise von einem in Vorbereitung befindlichen Elba Six-Day`s Revival im Internet auftauchten, dauerte es nicht lange, bis auch Arnulf Teuchert von der Sache Wind bekam. Für ihn war sofort klar, dass er hier dabei sein musste. Nicht nur seine Erinnerungen an dieses große Event waren es, die in ihm das Feuer entfachten. Nein, es war auch die Tatsache, dass in seiner heimischen Garage noch das Original 80ccm Hercules Elba-Werksmotorrad des Jahres 1981 steht und dazu noch in einem rennfertigen Zustand. Eines von nur vier Einzelstücken, welche Hercules damals für ihn und Erwin Schmider exclusiv anfertigte und welche mit den überaus seltenen 6 Gang Sachs-Motoren mit einem Schafleitner-Klauengetriebe ausgestattet wurden.

Was für Arnulf dann folgte, waren viele Gespräche und Telefonate mit ADAC, DMSB, Sportkameraden und möglichen Sponsoren. Dabei galt es dann für ihn auch die eine oder andere Enttäuschung zu verarbeiten. Doch seinem persönlichen Engagement ist es zu letztlich verdanken, dass für das von dem Buchautor und Hercules-Sammler Marcello Grigorov aus Lugano ins Leben gerufene Elba-Revival 2015 sowohl ein deutsches Trophy-Team als auch eine deutsche Vasen-Mannschaft aufgeboten werden konnten. Während sich die Motorsportverbände dezent zurückhielten, konnte er mit Sponsorenhilfe von LEXWARE für die Teamkleidung, Reifen von Metzeler-Butzner oder Ketten von Motorrad Schüller doch einiges auf die Beine stellen, um das Budget seiner beiden Teams zu sichern. Bei fälligen Lizenzgebühren in der Größenordnung von ca. 200 Euro oder dem Mannschaftsnenngeld von 120 Euro eine durchaus sinnvolle Unterstützung.

Und dass sich all diese Mühen gelohnt haben, zeigte sich spätestens bei der Ankunft unserer Teams in der Hafenstadt Portoferraio. Traumwetter mit wolkenlosem Himmel und sehr angenehmen Temperaturen erwartete die 235 Teilnehmer aus 9 Nationen, davon 28 aus Deutschland. Dazu ein tolles Ambiente mit Fahrerlager, Parc Ferme sowie Start/Ziel in Altstadt und Hafen. Geradezu wie gemalt für die vielen wunderbar restaurierten historischen Geländesportmotorräder aus aller Herren Länder. Das was die Italiener da auf die Beine gestellt haben, war tatsächlich eine Kopie der historischen Sixdays-Veranstaltung und zwar im klassikgerechten kleinen Dreitageformat mit Einmarsch der Nationen inkl. Nationalhymnen und Galadinner. Und für die internationalen „Klassik-Fahrer“ hatte man dazu auch noch Geländestrecken ausgesucht, welche diesen Namen wirklich verdienten. „Geländefahrerherz was willst du mehr!“

Doch dann der Schock. Der Veranstalter stört sich an Bernhard Brinkmann`s Lizenzunterlagen. Gleiches gilt für die holländischen und japanischen Trophyfahrer. Auch die dürfen wie Bernhard letztendlich nicht am Hauptwettbewerb teilnehmen sondern müssen in die abgespeckte Gentlemens-Wertung. Unser Trophy-Team ist somit schon vor dem Start geplatzt und kassiert deswegen pro Fahrtag Strafpunkte. Bernhard, der Geländemeister von 1985 fährt seine neu aufgebaute 50ccm KTM Meisterschaftsmaschine aus 1979 trotzdem über drei Tage strafpunktfrei bis ins Ziel. Viele sagen, das schönste Motorrad im gesamten Feld. Arnulf Teuchert, Geländemeister von 1981-1983, auf seiner 80er Hercules, hat die Startnummer 20. Exakt so, wie auch schon im Jahr 1981. Er und Eberhard Weber, der zweimalige Trophysieger auf Zündapp der Jahre 1975 und 1976, fahren nun geschwächt als deutsches Trophyteam. Weber auf einer extra für ihn ausgeliehenen 175 ccm Puch Frigerio. Die zwei erfahrenen alten Hasen geben ihr Bestes und staunen nicht schlecht. Landschaftlich reizvolle Strecken werden von hammerharten Geländestücken wie einer steilen 7 Kilometer langen Geröllsteilabfahrt abgelöst. Da wurden die Unterarme mit jedem Kilometer dicker. Die Enduroprüfung ist super anspruchsvoll und zieht sich kurvenreich über 7 Kilometer über einen sehr steinigen Eselspfad und ist auf Höchstgeschwindigkeiten ausgelegt und das oftmals auch nahe am Abgrund endlang. Eine fast ebenso lange Crossprüfung ist hingegen in einem Olivenhain sehr Trickreich und Anspruchsvoll ausgelegt.

Doch nach einiger Eingewöhnung laufen unsere ehemaligen Stars zu Höchstform auf. Vor allem Eberhard Weber überrascht die Fans von Tag zu Tag mehr. Seit etwa 15 Jahren hat der noch immer sehr sportliche Asket aus Köln kein Rennmotorrad mehr angefasst. Trotzdem liefert er in den Prüfungen eine Spitzenzeit nach der anderen ab. Es wird gefightet wie in alten Zeiten. Natürlich wollen sich die Italiener auch bei ihrem Revival den Trophy-Sieg sichern. Sie haben keine Geringeren als die ehemaligen Spitzenfahrer Franco Muraglia (54), Gualdero Brissoni(59) und Allesandro Gritti(68) aufgeboten. Doch auch sie müssen kräftig Federn lassen. Grittis Kramer springt am Start nicht an und später geht auch noch sein Motor fest. Und unser Udo Meier vom fränkischen Silbervasenteam nimmt Muraglia bei den 125ern mehrfach wichtige Sekunden ab, so dass auch der Italiener seine Gilera im Übereifer fast verheizt. Und als schließlich auch noch Brissoni, mit seiner 125er Kramer an einer ZK zu spät stempelt, fallen die Italiener endgültig auf Rang 4 zurück. Unsere -durch den Organisator- geschwächte Truppe bringt hingegen strafpunktfrei einen blitzsauberen dritten Rang hinter Großbritannien und Frankreich ins Ziel der Trophy-Wertung. Dabei gab es allenfalls eine kurze Aufregung am Fahrtag zwei. An der Teuchert 80er durchschlägt ein Stein den Auspuffkrümmer. Doch der versierte Tüftler kann den „Gefäßschaden“ mit Kaltmetall aus der Tube, Schlauchbindern und einer Coladose in einer chirurgischen Notoperation rasch beheben und die Etappe fehlerfrei zu Ende fahren.

Ein aus nordbayerischen Fahrern (Horst Bauer, Udo Meier und Heinz Schmidt) zusammengestelltes Team für die Silbervasenwertung erreichte nach 3 Tagen und insgesamt 5 Geländerunden einen sehr guten 3. Platz in diesem Klassement. Durch die 28 deutschen Akteuren, von denen 24 das Ziel erreichten, wurde der deutsche Enduro-Klassiksport in Italien hervorragend repräsentiert. Dass gerade der „Neueinsteiger“ Eberhard Weber als 21. der Gesamtwertung zugleich punktbester deutscher Fahrer werden würde, hat er sich sicher vorher nicht annähernd vorstellen können, als er sich zu diesem Abenteuertrip überreden ließ. Der Hardy, wie er früher im Zündapp Team gerne gerufen wurde, hat nichts, aber auch gar nichts von seinem weltmeisterlichen Fahrkönnen verlernt. Die nächsten Ränge im Gesamtklassement belegten Udo Grein (26), Udo Meier (28).

Als dann am Abend nach der Veranstaltung die deutschen Teilnehmer allesamt zufrieden bei ihrem Lieblingsitaliener mit Pizza und Vino Rosso dinierten stand als Resümee fest. Das Elba-Revival war eine ganz tolle Angelegenheit und zudem ist uns zumindest eine freundschaftlich - moralische Revanche für die Niederlage im Jahr 1981 gegen die ital. Sportfreunde gelungen.

 

BL

SIXDAYS 1983 England

 

Die wahre Geschichte von der Schafsjagd in England 1983

 

Meine letzte Sixdays 1983 in Built Wells /England war nicht das, was ich mir als Abschluß meiner Geländekarriere so vorstellte. Aber der Reihe nach.

Unsere Vasen-Mannschaft mit den Fahrern Bernhard Brinkmann, Kawasaki KX80 (Startnummer 1) Arnulf Teuchert,  Hercules GS 80 (4), Joachim Sauer Honda CR125 (43) und Eddy Hau, Yamaha TT600 (371), Teamchef Wolfgang Butzner,  sollte von der Papierform eigentlich gut für einen der vorderen Plätze sein. Wer England kennt, der weiß auch, dass man hier auch hin und wieder mit gleichmäßig Wasser von oben und diversen Sumpflöchern von unten rechnen muß. Wir hatten uns auch eingehend bei den Altstars wie Lorenz Specht usw. schon im Vorfeld informiert, wie man diese grundlosen Schlammlöcher rechtzeitig erkennen könnte. Eigentlich waren wir sehr gut vorbereitet, das Fahrerlager mit Start und Ziel lag verkehrsgünstig an einem Campingplatz in Llandrindod Wells, nur unser deutsches Mannschaftshotel lag etwa eine ¾ Autostunde weit weg davon, weshalb sich Bernhard Brinkmann, Gerd Kiener, ich und noch einige andere deutschen Fahrer entschlossen hatten,  unsere Womos direkt am Fahrerlager zu parken, um uns die tägliche Autofahrt mit Linksverkehr von fast 1 ½ Std. zum Hotel zu sparen. Das fand zwar nicht die Zustimmung unserer OMK Teamleitung, weil das angeblich den Teamgeist störte, uns war aber die eine Stunde Nachtruhe mehr wichtiger und ausserdem hatten wir dank unserer Mädels auch die beste Verpflegung direkt vor Ort.

Dass wir Deutsche hier in Old England nicht gerade beliebt sind, haben wir schon in den Tagen vor der Abnahme immer wieder feststellen können. „. German Nazi“ musste man schon hier und da ertragen. Aber was soll’s - die englischen Fahrer waren uns wohlgesonnen. Aber dass man den Berni mit Start Nr.1 und mich mit der Nr.4 als Streckenputzer jeden Tag vorneweg fahren ließ, um die tausend Schlammlöcher als erste auszuloten und nebenbei die dreitausend freilaufenden Schafe von der Strecke zu treiben, war schon eine Frechheit. Nach dem Moto „Alder“ vor Schönheit hat mich Berni auch immer anständig voraus fahren lassen. Mit dem Ergebnis, dass ich jeweils auch als erster in den grundlosen Sumpflöchern eingetaucht bin, von wegen „das dunkle Gras ist fest und das helle ist Sumpf“, alles gelogen, 20cm links oder rechts von der Spur entschied meist nur der Zufall über stecken bleiben bis zur Tankunterkante oder weiter fahren. Ich weiß nicht mehr wie oft Berni und ich uns am ersten Tag gegenseitig aus dem Drecksschlamm rausgezogen hatten. Manchmal schaute nur noch Tankdeckel und Lenker oben raus. Spurrillen gab‘s so tief, dass einem die Daumen auf den Oberkanten schleiften. Da war der gleichmäßige Regen von oben schon fast wie eine Erholung, wusch der uns doch etwas von dem Dreck wieder ab. Am schlimmsten aber waren diese freilaufenden Schafe, es gab kaum eine Kurve, wo mir nicht irgend so ein Drecksbock vor das Vorderrad gelaufen ist. Im schweren Gelände war das erst mal kein so großes Problem, aber auf den kurzen Strassenetappen war das echt gefährlich.

Der Regen und die schweren Geländestrecken kamen uns Deutschen allerdings nicht ganz ungelegen, hatten die anderen Nationen mit diesen Umständen doch scheinbar mehr Probleme. Jedenfalls führten wir auch dank unserer zahllosen Streckenhelfer und dem sagenhaft schnellen Saui ( Honda) mit der Vase schon nach 2 Tagen mit über 1 Std. Vorsprung die Mannschaftswertung an.

Wenn nichts kaputt geht sollte uns den Sieg eigentlich niemand mehr abnehmen können. Eigentlich !!

Aber dann kam mir in der 2. Runde des 3.Tages dieser verdammt blöde Schafsbock in die Quere. Wir fuhren eine kurvige Strassenetappe im 6.Gang voll den Berg runter, Berni mit der Kawa knapp hinter mir, als mir dieser blöde Sch….- Bock in einer unübersichtlichen Rechtskurve aus der Böschung sprang und voll in mein Vorderrad krachte. Mich hats dabei voll auf die zwölf gehauen, hab Sterne gesehen und mein erster Gedanke war noch „so, das wars, jetzt gibt der Arnulf den Löffel ab“. Meine gute HERCULES hab ich aber nicht losgelassen, mit dem Erfolg, dass neben dem durchgeschliffenen Gasgriff auch meine rechte Pfote bis auf die Knochen durch war. Dass ich noch nicht beim Petrus angeklopft hatte, merkte ich spätestens dann, als meine gute 80er wegen dem kaputten Gasgriff unangenehm laut auf Vollgas lief und nicht abzuschalten war. Berni, welcher die Flugeinlage ja live erlebt hatte und ich versuchten verzweifelt den Motor auszumachen, selbst Kerzenstecker ziehen half nichts mehr, erst als Bernhard mit dem Fuß den Auspuff zu hielt und ich mit aller Gewalt die Fußbremse drückte ging das Ding nach einer gefühlten Ewigkeit aus. Durch den harten Einschlag hab ich mir auch noch beide Daumen ausgekugelt, den Lenker komplett krumm geschlagen und der Gasgriff war auch nur noch zu Hälfte da. Ich hatte jetzt die Schnauze voll von Schlamm, Dreck, diesen blöden Schafen und Sechstagefahrt im Allgemeinen. Aber Berni meinte nur „Arnulf wir müssen weiter fahren, wir haben doch schon über eine Stunde Vorsprung“  - ich darauf „eh wie soll ich mit den Pfoten weiter fahren“, ein Daumen schaute nach oben, der andere nach unten der rechte Handschuh war durchgeschliffen und mein Knochen schauten oben raus. Berni trocken „mach du deine Daumen grade, ich richte den Lenker und den Gasgriff“.

Wie bescheuert muss man sein um solche Anweisungen zu befolgen? Nur „ziemlich beste Freunde“ schaffen das!! Ich hab meine Daumen wieder selber eingerenkt – sch…. tat das weh! Berni hat den Lenker und Gasgriff halbwegs repariert. Jedenfalls fuhren wir nach ein paar Minuten und den kleinen Reparaturen weiter. Meine gute Sachs sprang zwar wieder an, aber ich hatte schon gleich den Verdacht, dass mein Pleuellager bei der Vollgasdreherei im Liegen was abgekriegt hatte. Meine Hände spürte ich ab den Ellenbogen eh nicht mehr. An der nächsten ZK sollte eigentlich unser Doktor da sein, um mich zu verarzten, aber leider schaffte er es nicht mehr rechtzeitig zur ZK. So hab ich halt nur den Lenker und Gasgriff gewechselt. Über den rechten Handschuh hat mir der Fred Marschall ( mein bester Betreuer) einen Lappen gewickelt- ich kann doch kein Blut sehen- und dann lief die Zeit auch ab und weiter gings. Meinem Motor hab ich mit einer extra Portion Öl im Tank das Weiterlaufen verordnet. Wenn ich schon kaputte Pfoten hab, dann kann auch er was dazu beitragen oder?

Bis ins Tagesziel waren es noch gute 120km, der Regen hörte nicht auf und mein Sachs Motörchen wurde immer lauter, an jeder ZK hab ich über das Kerzenloch nachgeölt, nur nicht zu hoch drehen und den Drecksschafen aus dem Weg gehen! Bernhard hat mich mit seiner unglaublichen Überredungskunst weiter getrieben. Es waren die längsten 100km meines Gelände-Lebens. Was soll ich sagen, wir haben strafpunktfrei das Tagesziel geschafft. Jetzt musste nur noch die Beschleunigungsprüfung kurz vor dem Parc Ferme geschafft werden. Dann die nächste Katastrophe, ich leg den 1.Gang ein gebe schön vorsichtig Gas und: peng! Motor war fest, jetzt war das untere Pleuellager endgültig hinüber. Hab‘ die Beschleunigung dann im Laufschritt mit ca. 30 statt acht Sekunden geschafft, aber ich war im Tagesziel. Aber was sind 30 Sekunden gegen eine Stunde Vorsprung?

 

Kapitel 2:

Die Wundersame Heilung eines Schaffleitner SACHS Motors

 

Unsere internationale Konkurrenz, besonders unsere italienischen Freunde, haben mein Missgeschick natürlich mitgekriegt und frohlockten schon mit dem Ausfall der Nr. 4. Aber wer mit kaputten Pfoten ein waidwundes Moped ins Ziel bettelt, der gibt nicht so schnell auf. Unsere Oberste Teamleitung hat dann im geheimen Kämmerchen beraten, wie der Teuchert zu einem neuen Motor kommen könnte.

Ich war da aussen vor, ich wäre am 4. Tag lieber nicht mehr gestartet, denn 1. war die Kurbelwelle im Eimer und 2. hatte ich kaputte Hände. Unsre OMK- Oberen hatten da tatsächlich die Idee, dass sie nachts im Parc Ferme das Licht ausmachen, damit ich den Motor wechseln könnte. Die haben wohl einen Knall, da waren 4 Deutsche Schäferhunde zur Bewachung drin, da bringen mich keine 10 Pferde rein.

Mein bekannt bester Betreuer Fred Marschall hatte dann die entscheidende Idee, wie das richtig gemacht wird. Ich musste am 4.Tag früh demonstrativ offiziell meinen waidwunden Motor reparieren, nämlich Zylinder und Kolben wechseln, um damit wenigstens ca. 6 km weiter zu kommen, weil in den englischen Wäldern da irgendwo kleine baugleiche Sachsmotoren aus dem Boden wachsen sollen.

Hermann Appelbaum von SACHS Schweinfurt hat dann gleich noch in der Nacht das passende dichte Unterholz gesucht und den passenden Motor dazu gefunden. Es war also alles angerichtet. Kurz und gut - ich hab trotz meiner defekten Pfoten in knapp 12 Minuten den Zylinder mit Kolben gewechselt und mein unteres defektes Pleuellager so gut mit Sachs Öl behandelt, dass der Motor tatsächlich wieder ansprang und ich die 6 km in die besagten dichten englischen Robin Hood- Wälder schaffte, um dort im dichtesten Gebüsch einen wunderbaren 80er Sachs Motor vorzufinden. Herrmann hatte schon alles vorbereitet, auf einer großen Plane lagen alle Werkzeuge und mein Ersatzmotor. Das Gebüsch war so dicht, dass man keine 5 Meter weit sehen konnte. In knapp 13 Minuten hab ich nun mit Hilfe von Herrmann den Motor gewechselt und keiner hats gemerkt. Die Italiener wurden von Fred Marschall zwischenzeitlich in die Irre geleitet und erst als ich fertig aus dem Gebüsch kam, haben sie mich weiter verfolgt. An der nächsten ZK hab ich gerade mal 8 Minuten Zeitstrafe geschnappt und wir waren wieder im Geschäft. Die Sportkommisare haben bei der nächsten ZK routinemäßig auch noch per Infrarotlampe meine Farbplomben kontrolliert. Hat auch alles gepasst, denn wir hatten ja vorsichtshalber im selben Farbengeschäft die Geheimfarbe eingekauft wie der Veranstalter. Was soll ich sagen, das war ein gutes Geschäft, denn laut Fred brauchten auch noch einige andere Teams ein paar teure Farbtupfer von uns. Für diese Aktion hätte ich bei der Deutschen Meisterschaft mindestens 3 Jahre Lizenzentzug und 500.-DM Sportstrafe bekommen. Aber kein Problem - war alles von oben abgesichert und heut‘ ist das eh schon verjährt.

So sind wir halt die restlichen 2 ½ Tage mit halb kaputten Pfoten, aber frischer SACHS Leistung weiter durch den englischen Schlamm gepflügt. Bernhard, mein Schatten, hat mich immer weitergeprügelt und hat eine Bestzeit nach der anderen in den SP gefahren. Doch leider war diese ganze Aktion schlußendlich für Katz, weil die Jury die komplette deutsche Vase am 6. Tag disqualifiziert hat, weil wir angeblich am 5. Tag an einem ohne fremde Hilfe nicht zu überwindenden Schlammloch vorbei gefahren sein sollen. Komisch dabei war nur, dass unser Freunde aus der DDR und einige Engländer auch da von einem - ich sag mal Funktionär oder Streckenposten - umgeleitet wurden und nicht aus der Wertung genommen wurden!

Was soll ich da sagen? Ist so wie‘s ist. Fakt ist, wär das blöde Schaf nicht gekommen, hätten wir die Vase gewonnen. Aber „hätte-wäre- Fahrradkette“… Vorbei ist vorbei und irgendwie war‘s trotzdem schön.

Ich könnte noch stundenlang von den Sixdays erzählen,  z. B. wie wir auf dem Weg ins Hotel 15 Runden im englischen Kreisverkehr links rum fahren mussten, weil der Berni und der Bubi Pohlenz mein Lenkrad vom HERCULES-Opel festgehalten haben usw....usw...

Arnulf

 

  • Ziemlich Beste Freunde

  • Freunde läßt man hoch Leben

  • Der lebt nicht mehr, wurde von einer SACHS GS 80 erlegt

Werxsvertrach Brinkmann2

Uns wurde ein Top Secret Geheimpapier von Wikileag zu gespielt

Daytona Stiefel the Best

Daytona Stiefel, nie gab es etwas Besseres. Nur mit Ihnen konnte man ein ZÜNDAPP oder SACHS Getriebe exakter schalten. Leider werden sie nicht mehr gebaut. Ich hab aber noch meine Originale Meisterschafts SIXDAYS Stiefel von 1979/80. Sind mir zwar nun etwas zu klein geworden, alles was oben kürzer ist, ist scheinbar jetzt unten in die Breite gegangen.

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